Kurz gesagt: Claude Code und Git bauen technisch saubere, schnelle Websites, aber es fehlt die Oberfläche, über die ein Kunde selbst Texte und Bilder ändern kann. Für Agentur-Kunden bleiben Webflow, Framer oder WordPress deshalb die praktikablere Wahl, KI-gebaute Seiten eignen sich vor allem für eigene Projekte oder Websites, die dauerhaft vom Entwickler gepflegt werden.

Wer aktuell “KI Website erstellen lassen” googelt, stößt meist auf Versprechen von “in Minuten zur fertigen Seite”. Was in den Demos fehlt: was passiert, nachdem die Website online ist und der Kunde selbst einen Preis ändern oder ein Bild austauschen will? Genau an diesem Punkt bin ich bei mehreren Projekten hängengeblieben, und dieser Artikel beschreibt, warum.

Was KI beim Website-Bau heute schon kann

Mit Claude Code und einem Git-Repository lässt sich eine Website heute in kurzer Zeit bauen, die technisch besser ist als vieles, was mit klassischen Baukästen entsteht. Saubere HTML-Struktur, schnelle Ladezeiten, keine aufgeblähten Plugin-Ladungen. Die KI schreibt den Code, ich reviewe, committe, deploye. Für ein Projekt, das ich selbst betreue, ist das mein liebster Workflow geworden.

Das Ergebnis ist eine statische oder leicht dynamische Seite, technisch modern, aber ohne jede Editier-Oberfläche für Nicht-Entwickler. Wer Text oder Bild ändern will, muss den Code öffnen oder mich anrufen.

Das eigentliche Problem: Es fehlt die Übergabe

Genau das ist der Punkt, an dem viele KI-Website-Artikel aufhören und die Praxis erst anfängt. Ein Agentur-Kunde will nach dem Launch selbst den Öffnungszeiten-Text ändern, ein neues Team-Foto hochladen oder einen Blogbeitrag einstellen. Ohne CMS bedeutet jede kleine Änderung: E-Mail an mich, warten, Rechnung. Das ist kein Problem, wenn ich der einzige Auftraggeber bin. Bei einem Kunden ist es schlicht unpraktisch und auf Dauer teuer für beide Seiten.

Webflow, Framer und WordPress existieren als Standardwerkzeuge in Agenturen nicht, weil sie technisch überlegen wären, sondern weil sie genau diese Lücke schließen: eine visuelle Oberfläche, die ein Kunde ohne Programmierkenntnisse bedienen kann. Das ist ihr eigentlicher Daseinszweck, nicht das schönere Design.

Meine CMS-Odyssee: Sitepins, CloudCannon, Storyblok

Weil mir die 30 bis 50 Euro monatlich für Webflow bei kleineren Projekten unverhältnismäßig vorkamen, habe ich mehrere Wochen investiert, um Alternativen für Git-basierte KI-Websites zu finden, die trotzdem eine Kundenoberfläche bieten.

  • CloudCannon setzt direkt auf Git-Repositories auf und bringt eine visuelle Editier-Oberfläche mit. Funktioniert gut, aber die Preisstufen für mehrere Kundenprojekte summieren sich schnell.
  • Storyblok ist ein ausgereiftes Headless-CMS mit Visual Editor, verlangt aber eine eigene API-Anbindung im Code, die wieder Entwicklungszeit kostet.
  • Sitepins verspricht eine schlanke CMS-Schicht über statischen Sites, ist aber im deutschsprachigen Raum kaum verbreitet und im Support entsprechend dünn.

Rechnet man Einrichtungszeit, Hosting, API-Kosten und die Zeit für Schulung des Kunden zusammen, war am Ende bei jedem Projekt die “Ersparnis” gegenüber Webflow wieder aufgefressen. Nicht, weil die Tools schlecht sind, sondern weil eine zweite Toolchain neben dem eigentlichen KI-Workflow immer zusätzliche Wartung bedeutet.

Kundengespräch am Laptop mit geöffnetem CMS-Backend während der Website-ÜbergabeCode-Editor mit Git-Commit-Verlauf neben einer leeren, unbearbeitbaren Website-Vorschau

Eine Website ist erst fertig, wenn der Kunde sie ohne mich pflegen kann.

Warum Webflow, Framer & WordPress trotzdem gewinnen

Für Kundenprojekte setze ich deshalb weiterhin auf klassische Systeme, auch wenn ich für die Konzeption oder für Komponenten im Hintergrund längst KI nutze. Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug für den Bau, sondern in dem, was nach der Übergabe passiert. Ein Kunde muss ohne meine Hilfe Inhalte pflegen können, sonst kaufe ich ihm mit jedem Feature-Update Abhängigkeit statt Freiheit. Das ist auch der Kern dessen, was ich in der Webdesign- und Webentwicklung-Leistung anbiete: das passende System für die Zielgruppe, nicht das für mich schnellste.

Für ein reines Entwickler-Projekt wie Zimmer Kronstorf, das ich selbst weiterbetreue, ist der KI-Bau über Claude Code und Git dagegen ideal. Kein Kunde, der selbst editieren muss, dafür maximale technische Kontrolle und Geschwindigkeit bei Anpassungen.

Vorteile und Nachteile im Überblick

KI-gestützter Website-Bau mit Claude Code und Git bringt echte Vorteile: schnellere Umsetzung, sauberer Code, keine Plugin-Altlasten, volle Kontrolle über Performance. Die Nachteile wiegen für Kundenprojekte aber schwer: keine Selbstpflege ohne zusätzliches CMS, jede Textänderung braucht einen Entwickler, und die vermeintliche Kostenersparnis verschwindet, sobald man ein zweites Tool für die Übergabe integriert. Dazu kommt die Abhängigkeit vom Entwickler, die für viele Kunden genau das Gegenteil von dem ist, was sie sich von einer eigenen Website erwarten.

Fazit: Für wen sich das (noch) eignet

KI-Website-Bau über Claude Code und Git eignet sich heute vor allem für zwei Fälle: eigene Projekte, bei denen niemand außer mir selbst pflegen muss, und Kundenprojekte, bei denen die dauerhafte Betreuung von Anfang an vertraglich vereinbart ist. Für den klassischen Fall, dass ein Kunde nach dem Launch selbst Texte und Bilder ändern will, bleibt ein System mit echter Editier-Oberfläche die bessere Wahl, egal ob Webflow, Framer oder WordPress. Das kann sich ändern, sobald sich ein Git-basiertes CMS am Markt etabliert, das genauso einfach zu bedienen ist wie die etablierten Baukästen. Bis dahin entscheidet nicht die Technik über das richtige Werkzeug, sondern die Frage, wer die Website nach der Übergabe pflegt.

FAQ

Kann man eine Website komplett mit KI erstellen lassen? Ja, mit Tools wie Claude Code lässt sich technisch eine vollständige Website bauen, inklusive Design und Funktionen. Für die laufende Pflege durch den Kunden fehlt dabei aber meist eine Editier-Oberfläche, die klassische CMS-Systeme mitbringen.

Warum reicht KI-generierter Code für Kundenprojekte oft nicht aus? Weil Kunden nach dem Launch selbst Inhalte ändern wollen, ohne einen Entwickler zu kontaktieren. KI-Code ohne angebundenes CMS bietet dafür keine Oberfläche, jede Änderung erfordert einen Eingriff im Code.

Sind Webflow oder WordPress durch KI-Tools ersetzbar? Nicht für Kunden, die selbst pflegen wollen. Webflow und WordPress lösen genau dieses Problem mit einer visuellen Oberfläche, während KI-Tools wie Claude Code primär beim technischen Bau helfen, nicht bei der späteren Selbstverwaltung.

Welche CMS-Alternativen gibt es für Git-basierte KI-Websites? Tools wie CloudCannon, Storyblok oder Sitepins setzen eine Editier-Oberfläche auf Git-Repositories auf. In der Praxis frisst der zusätzliche Einrichtungs- und Wartungsaufwand die Kostenersparnis gegenüber klassischen Systemen aber häufig wieder auf.

Für welche Projekte eignet sich KI-Website-Bau am besten? Am besten für eigene Projekte oder Websites, die dauerhaft vom Entwickler selbst betreut werden. Bei Kunden, die nach dem Launch eigenständig Inhalte pflegen wollen, ist ein System mit echtem CMS meist die praktischere Lösung.